23. Juni 2026

Eröffnungsansprache 20 Jahre IDRF

Liebe Mitglieder,

nachträglich lassen wir Ihnen die Eröffnungsansprache von Dr. Klaus-Jürgen Schwahn zukommen, die auf unserer Jubiläumstagung in Mannheim gehalten wurde. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Nachlesen.

 

Verehrte Gäste,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

herzlich willkommen zu unserer Frühjahrstagung. Nach einer längeren Pause sind wir wieder einmal in Mannheim und das hat einen besonderen Grund: Denn hier steht die Wiege der IDRF und das ist 20 Jahr her, jedenfalls so ungefähr. Schon 2005 hatten sich die ersten regionalen Flugplätze zu einer losen Gemeinschaft zusammengefunden. Damals gab es nur die ADV als Flughafenverband und die hatte mit ihren großen Flughafenmitgliedern oft andere Sorgen als die dezentrale Flugplatzlandschaft. Viele regionale Flugplätze und damit meinen wir Regionalflughäfen und Verkehrslandeplätze standen damals zunehmend unter Druck:

Die europäische Regulierung wurde immer komplexer. Die Sicherheitsanforderungen nahmen zu. Die Kosten stiegen und gleichzeitig musste man als Flugplatz-Geschäftsführer immer häufiger erklären, wozu man überhaupt seinen Flugplatz braucht und wieso der meist mehr Geld kostet als er einbringt.

Oft wurde gefragt, ob man das nicht stärker zentralisieren könne, denn da landen doch nur die kleinen Flugzeuge. Das war die Zeit, in der die Deutsche Bank ein Gutachten veröffentlichte, dass zu dem Schluss kam, ein Netz von fünf großen Flughäfen würde für ein Land wie die Bundesrepublik vollkommen ausreichen. Wehren mussten wir uns alle dagegen, doch zu den ersten Kollegen, die das über- regional organisieren wollten, gehörten damals Mannheim, Zweibrücken, Egelsbach, Kassel, Augsburg und Schwäbisch Hall.

Bereits kurz nach dem Start hatte die Gemeinschaft einen ersten Erfolg: 2006 wurde eine volkswirtschaftliche Studie veröffentlicht, die Prof. Dr. Klophaus im Auftrag der IDRF erstellt hatte, ergänzt durch ein Positionspapier zur dezentralen Luftfahrt. Wesentliche Gedanken daraus wurden in das Flughafenkonzept des Bundes von 2009 aufgenommen. Bis zur formalen Vereinsgründung der IDRF im Dezember 2007 hatten sich dann schon 34 Gründungsmitglieder zusammengefunden. Die IDRF-Gründung lässt sich daher nicht auf den Tage genau bestimmen, sondern spielte sich zwischen 2005 und 2007 ab. Deshalb haben wir für die 20 Jahr Feier die Mitte genommen und das ist 2006.

Manfred Dambach war von Anbeginn treibende Kraft. Als Flugplatzgeschäftsführer ging er damals in den Ruhestand und wurde von den Kollegen verdonnert, den Gründungsvorsitz zu übernehmen. Manfred hat dann viele Jahre sein ganzes Herzblut in den Aufbau des Verbandes gesteckt, unterstützt durch seine beiden Stellvertreter Peter Lehmann aus Egelsbach und Uwe Kotzan aus Schwäbisch Hall. Ohne diese drei und besonders ohne Manfred hätte die IDRF den Durchbruch sicher nicht geschafft.

Manfred, Du hast der IDRF damals den Geist eingepflanzt, den wir bis heute erhalten haben. Die IDRF ist kein Hochglanzverband, der sich mit Titeln und Eitelkeiten schmückt. Wir sind eine Arbeitsgemeinschaft, ein Netzwerk aus Menschen, die täglich ganz praktisch dafür sorgen, dass Luftfahrt außerhalb der großen internationalen Hubs funktioniert und dabei ihr Wissen und ihr Können in einen Topf wirft. Für diese Leistung bist Du unser Ehrenvorsitzender geworden, als Ralph Schmid dann im Frühjahr 2014 den Vorsitz von Dir übernommen hat.

Danke Manfred für das, was Du für uns geleistet hast.

Wenn man heute auf die IDRF blickt, mit rund 80 Flugplätzen und 65 außerordentlichen Mitgliedern Fachveranstaltungen, Arbeitsgruppen und dem inzwischen erreichtem politischen Gewicht könnte man fast glauben, es habe sie schon immer gegeben.

Aber der eine oder andere hier im Raum erinnert sich noch, dass aller Anfang schwer war. Die ersten Zusammenkünfte fielen in keine gemütliche Zeit. Es ging darum, überhaupt gehört zu werden und das ist nur durch stetes Trommeln nach und nach gelungen. Gerungen wurde nicht nur um jeden Termin in Politik und Verwaltung, gerungen wurde am Anfang auch um neue Mitglieder. Dazu gehörte auch der Flugplatz Schönhagen und ich kann mich gut erinnern, wie ich in diesen Kreis gekommen bin:

Auf der Aero 2008 hatten mich vier Kollegen angesprochen. Wir hatten auf dem Stand der Total an einem Tisch zusammengesessen, die Kollegen erklärten mir den neuen Verband und meinten, dass doch Schönhagen dazu gehören müsse. Ich hatte Anfang 2002 die Geschäftsführung des Flugplatzes übernommen. Diese Jahre waren gerade in den neuen Bundesländern, rund um Berlin noch eine wilde Zeit. Die Wiedervereinigung lag nicht so lange zurück. Berlin war von Flugplätzen aus der DDR-Zeit umzingelt. Überall saßen engagierte Menschen, die etwas in der Luftfahrt bewegen, neue Ideen hatten und ihre Flugplätze erhalten wollten.

Ich wurde damals mit Einladungen geflutet. Neue Initiativen, Vereine, Verbände und Arbeits- und Interessengemeinschaften wollten etwas in der Luftfahrt bewegen. Neben alten und neuen Ideen gab es auch viel Skurriles und leider auch viel heiße Luft. Zu den meisten Veranstaltungen sind wir damals ein- oder zweimal hingegangen und haben dann schnell gemerkt, dass dabei nichts Brauchbares für unseren Flugplatz herausspringen kann. Vor diesem Hintergrund sprachen mich dann also die Kollegen an, um mir einen Verband schmackhaft zu machen, der sich an einem 600 km entfernten Ort trifft, um die Welt der regionalen Flugplätze zu retten. Ich hatte mir das höflich angehört, aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen und im Kalender warteten schon die nächsten Einladungen.

Wir liefen uns dann aber weiter über den Weg. Beim DAEC in Braunschweig gab es 2009 einen Termin mit der AOPA, zu dem auch Thomas Mayer kam. Thomas war kurz davor Ende 2008 Geschäftsführer geworden. Wir fanden fachlich und menschlich sofort eine gemeinsame Ebene. Auch Uwe Kotzan flog damals öfter nach Berlin und besuchte mich gelegentlich in Schönhagen. Anfang 2010 kam dann schließlich eine Einladung zur Mitgliederversammlung auf dem Flugplatz Altenburg Nobitz. Altenburg lag in einer überschaubaren Reichweite und ich beschloss erstmals an einer Mitgliederversammlung der IDRF teilzunehmen.

Das ist 16 Jahre her, der Funke sprang über und seitdem habe ich keine einzige IDRF-Tagung versäumt. Es wurde über Dinge gesprochen, die uns als Flugplatz tatsächlich beschäftigen. Ich habe Kolleginnen und Kollegen getroffen, die genau dieselben Probleme hatten, gleich in welcher Ecke Deutschlands ihre Flugplätze lagen:

• „Wie geht Ihr mit dieser neuen Vorschrift um?“

• „Wie habt Ihr dieses oder jenes Problem mit Eurer Luftfahrtbehörde gelöst?“

• „Kennt jemand einen Fachmann, der kurzfristig helfen kann?“

• „Wie erkläre ich diese Thema der kommunalen Politik und den Anwohnern?“

Man merkte sofort, man ist mit seinen Problemen nicht allein, konnte die Erfahrungen der Kollegen einsammeln oder selbst Antworten aus der eigenen Erfahrung beisteuern. Und was mir vom ersten Tag an auffiel: Es wurde kollegial, ohne Neid und Wettbewerb, zusammengearbeitet. Wir können stolz darauf sein, dass dies bis heute so geblieben ist. Ende 2011 hatten mich dann die Kollegen gefragt, ob ich im Vorstand mitarbeiten wolle. Das habe ich dann gerne gemacht und erst Manfred und später dann Ralf Schmid, der 2014 den Vorsitz von Manfred übernommen hatte, als Stellvertreter unterstützt, bis ich dann 2020 selbst den Vorsitz übernahm. Wir haben uns im Laufe der Jahre mit vielen kritischen Themen auseinandersetzen müssen, doch nur ganz selten mit uns selbst, also mit verbandsinternen Problemen. Jeder, der Vereinsarbeit kennt, weiss, dass das eine wirkliche Ausnahme ist und gerade deswegen macht mir diese Zusammenarbeit unter den Kollegen bis heute Spaß.

Inzwischen sind wir in zwei Panels und der Industrial working Group bei der ICAO in Montreal vertreten, wo heute die Weichen für die Regelwerke der Zukunft gestellt werden. Dank Gründung der ERAC mit dem Schweizer Flugplatzverband werden wir auf europäischer Ebene gehört und dürfen bei der Gremienarbeit der EASA mitwirken, was rein nationalen Verbänden verwehrt bleibt. Am 10. Oktober 2019 haben wir auf unserer Tagung in Oberpfaffenhofen gemeinsam mit der GBAA die Eröffnung unseres Hauptstadtbüros in Berlin, gegenüber dem Kanzleramt, beschlossen. Ulrich Stockmann hat dort, als ehemaliger Bundestags- und Europaabgeordneter wichtige Arbeit geleistet, um die IDRF in der Politik bekannt zu machen. Er hat uns beigebracht, wie der Maschinenraum des Politapparats funktioniert, wie wir an Termine mit Abgeordneten kommen und wie wir unsere Argumente mit einer gewissen Nachhaltigkeit an den Mann bringen. Am 30.10.2025 mussten wir zwar das Büro aufgeben, da sich die GBAA aus der Finanzierung zurückgezogen hatte. Doch was dort in 6 Jahren aufgebaut wurde, bleibt bestehen und lebt weiter. Ohne diese Vorarbeit, wäre es sehr schwer gewesen, im letzten Jahr den 2. Gebührenkreis vorerst zu retten.

Mit jeder Wahl, ob auf kommunaler, Landes oder Bundesebene ziehen neue Abgeordnete in die Parlamente und neue Führungspersönlichkeiten rücken in die Ministerien. Und mit jedem Wechsel fangen wir an, die Fragen, die schon vor 20 Jahren aktuell waren, erneut zu beantworten. Regionale Flugplätze werden nicht allein an den Passagierzahlen gemessen. Sie waren und sind:

• Wirtschaftsstandorte,

• Arbeitgeber,

• Ausbildungsorte,

• Standorte für Ausbildung, Arbeitsluftfahrt, Werksverkehr, Taxi- und Charterverkehr, Luftrettung und Polizei,

• Technologiezentren

• und oft genug ein entscheidender Standortfaktor für Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen.

Der Job eines Flugplatz-Geschäftsführers ist kein einfacher, gleich wir groß der Flugplatz ist. Jeder, der in diesen Job kommt, lernt sehr schnell, dass er keinen 08/15 Job hat, sondern einer Tätigkeit mit vielen Herausforderungen nachgeht, denen man nur gewachsen ist, wenn man Begeisterung für die Luftfahrt, Pragmatismus und auch viel Idealismus mitbringt. Gerade deshalb passt eine wichtige Erkenntnis politischer Arbeit so gut zur IDRF:

„Bitte einen Politiker nie um Unterstützung, sondern versuche ihn für die Sache zu begeistern“. Genau dafür steht die IDRF und man merkt, dass es von der Politik so wahrgenommen wird: Als z.B. in der alten Ampelregierung mitten in den Haushaltsberatungen kritische

Stimmen zum 2. Gebührenkreis aufkamen, hatten wir den haushaltspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion Frank Scheffler um einen Termin gebeten. Der begrüßte uns mit den Worten: „Eigentlich mache ich während der Haushaltsberatungen grundsätzlich keine Termine mit Verbänden. Bei der IDRF mache ich eine Ausnahme, denn von Euch höre ich mal etwas anderes, als das übliche Wehklagen. Ich bin gespannt, was Ihr heute habt?”

Viele wichtige Themen wurden in den 20 Jahren angegangen, auf die Thomas und die Vorstandskollegen gleich noch eingehen werden. Als Flugplatzbetreiber bekommen wir es allzu oft mit den Schattenseiten der Luftfahrt zu tun. Deshalb hatte Manfred schon bei der Gründung der IDRF das Motto ausgerufen: „Zuerst bereden wir unsere Probleme zuerst direkt mit den Verantwortlichen und nicht mit der Presse. Das hat die IDRF in den letzten 20 Jahren konsequent umgesetzt: Gleich von welcher Seite wir angegriffen werden. Wir reagieren stets souverän, mit sachlichen Argumenten, ohne Polemik und greifen unsere Gesprächspartner in Politik und Verwaltung weder persönlich noch über die Medien an. Unsere Arbeit ist dann getan, wenn sich die Gesprächspartner unsere Argumente zu eigen machen. Das funktioniert nicht immer, aber immer besser.

Vor 20 Jahren hatte man Regionale Flugplätze in Teilen der Politik und Gesellschaft als Relikte der Vergangenheit betrachtet. Heute haben wir die Chance, der Politik zu zeigen, dass wir zu den Hoffnungsträgern der Zukunft werden. Gerade in Zeiten zunehmender Krisen und Unsicherheiten wird deutlich, wie wichtig dezentrale Verkehrsstrukturen sind.

Heute sprechen wir über Standorte, an denen über die krisenfeste Resilienz von Verkehrssystemen nachgedacht wird. Die die Landesverteidigung in ihre Strategien einbezieht, an denen die Advanced Air Mobility einziehen wird, sich Start Ups ansiedeln, an denen mit Hochschulen geforscht und entwickelt wird. An denen die nachhaltige Luftfahrt entsteht, mit elektrischen Luftfahrtzeugen, synthetischen Kraftstoffen, Digitalisierung und ganz neuen Luftfahrzeugen.  Antriebskonzepten und an denen letztendlich auch neue Mobilitätskonzepte für eine Luftfahrt von Morgen entstehen und erprobt werden.

Denn gerade die kleinen und mittleren Standorte sind die Orte, an denen Innovationen überhaupt erst praktisch erprobt werden können, denn wir haben klare Stärken: wir sind mit Pragmatismus dicht an der Basis, wir sind flexibel, wir sind nah an den Unternehmen, nah an technischen Entwicklungen und wir können schneller handeln als die großen Flughafensysteme.

Heute reden wir nicht über Zukunft, wir setzen sie um und das wollen wir nach außen zeigen. Deshalb möchte ich heute ausdrücklich all denen danken, die die IDRF über viele Jahre geprägt haben:

• den ehemaligen und aktiven Vorständen,

• dem ersten und einzigen Geschäftsführer Thomas Mayer,

• den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle,

• den Fachgruppen,

• den politischen Unterstützern und natürlich den vielen Kollegen an den Flugplätzen, denen wir diese Gemeinschaft zu verdanken haben.

• Menschen mit Fachwissen, Leidenschaft und Beharrlichkeit und manchmal auch mit der bemerkenswerten Fähigkeit, trotz aller Herausforderungen, den Humor nicht zu verlieren.

Vielen Dank.

 

Dr. Klaus-Jürgen Schwahn

Vorsitzender



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