6. Juni 2024

2. Elektroflugtag in Kempten – Durach

Die Zukunft der Luftfahrt ist flüsterleise, Flugplatzanlieger sollen Privat- und Geschäftsreiseflugzeuge mit Elektroantrieb schlicht nicht mehr hören. Wie vor Jahren im Straßenverkehr stellt sich aber neben technischen Entwicklungsfragen das Henne-Ei-Problem von Angebot und Nachfrage: Müssen erst genügend E-Flugzeuge unterwegs sein, damit eine Lade-Infrastruktur entsteht oder ist es genau andersherum? „Einer muss anfangen“, sagt Konstantin Hadrossek, Geschäftsführer der Landeplatzgesellschaft am Flugplatz Kempten-Durach. Auf dem Allgäuer Verkehrslandeplatz entstand nicht nur die erste offizielle E-Tankstelle für Flugzeuge Deutschlands, sondern es wurde auch die Idee für eine Elektroflugstrecke mit zehn Flugplätzen durch Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mitgeboren.

Im Bereich der E-Fliegerei wird noch viel experimentiert. Die Kapazität der Batterien ist begrenzt, das Gewicht hoch. Das Landsberger Unternehmen Elektra Solar baut ein E-Flugzeug in Kleinserie, das derzeit gut zwei Stunden erreicht. Andere Hersteller wie die österreichische Firma Diamond, die mit konventionellen Flugzeugen weltweit erfolgreich ist, kommen mit einer E-Variante momentan auf etwas mehr als eine Stunde Flugzeit. Die Lufthansa wird diesen Typ dennoch als Trainer nutzen, für Ausbildungsflüge im unmittelbaren Flugplatzbereich.

Für Streckenflüge benötigen solche Maschinen nach kurzen Wegstrecken Lademöglichkeiten. Deshalb wurde während der internationalen Luftfahrtmesse AERO die Idee einer Elektroflugstrecke geboren. Spontan zeigten die bayerischen Flugplätze Augsburg, Landshut, Eggenfelden, Vilshofen und Straubing Interesse, darüber hinaus Leutkirch und Mengen sowie Aalen und Trier. Bei einer Konferenz am 15. Juni soll während des zweiten Elektroflugtags in Durach näheres vereinbart werden.

Wie immer bei innovativen Infrastrukturmaßnahmen geht es um Geld. Im Allgäu wurde die E-Tankstelle aus eigenen Mitteln finanziert. Für ein Ladenetzwerk und Anreize zum Kauf von E-Flugzeugen sind jedoch öffentliche Mittel notwendig. Professor Gerd Hirzinger war Chef des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und ist Aufsichtsrat bei Elektra Solar. Er hat das Projekt in der bayerischen Staatskanzlei vorgetragen und um „unbürokratische Unterstützung gebeten“, sagt er. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder besucht Ende Juni die Produktion von Elektra Solar.

Interesse an der Förderung der E-Fliegerei zeigt spontan der Fraktionsvorsitzende der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag, Klaus Holetschek. „Eine Teststrecke für E-Flugzeuge ist eine gute Möglichkeit, um Forschung mit der Realität zu verbinden. Bayern ist hier auf dem besten Weg, die Vorreiterrolle zu übernehmen.“ Anderswo hat man bereits vorgelegt: Das Land Nordrhein-Westfalen hat eben 8,36 Millionen von insgesamt geplanten 54 Millionen Euro bereitgestellt, um unter anderem die E-Fliegerei zu fördern.

Info-Element zum Elektroflugtag:

Am 15. Juni können Interessierte beim zweiten Elektroflugtag in Durach zwischen 10 und 17 Uhr E-Flugzeuge besichtigen und mit etwas Tombola-Glück mitfliegen. Im Rahmenprogramm gibt es zahlreiche Präsentationen rund um E-Mobilität bis hin zu einem 40-Tonnen-Truck. Bei einer Vortragsreihe referiert unter anderem die Luft- und Raumfahrtingenieurin Professor Ivana Hrbud über E-Antriebe im Weltall.



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